Bahnhof Morgenroth

wochenblatt.pl 5 godzin temu
Zdjęcie: Bahnhof Morgenroth Außen Foto: Martin Wycisk


Mit Zug zur Literatur

Wer im Oberschlesischen Industriegebiet Bus und Bahn nutzt, dem wird Morgenroth/Chebzie zumindest indirekt bekannt sein. Der im Norden von Schlesisch-Ruda gelegene Stadtteil ist mit Straßenbahnwendeschleife und Bahnstation ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Seit einigen Jahren ist der Bahnhof auch bei Bücherfreunden beliebt.

Ein historischer Verkehrsknotenpunkt

Der Beginn der Besiedelung von Morgenroth ist eng mit der Industrialisierung Oberschlesiens verbunden. 1822 und 1825 entstanden hier die Zinkhütten Gute Hoffnung und Morgenroth. Von der zweiten erhielt die entstehende Industriesiedlung ihren deutschen Namen. Der polnische Name Chebzie soll wiederum vom oberschlesischen Wort für Holzabfälle wie Rinde und Äste stammen, die beim Fällen der umliegenden Wälder anfielen und hier abgeladen wurden. Bereits 1846 wurde hier die Oberschlesische Eisenbahn zwischen Breslau und Myslowitz gebaut, doch der erste Bahnhofsneubau inklusive Postamt entstand erst 1859 gemeinsam mit der Strecke nach Tarnowitz.

Bahnhof Morgenroth – Innen
Foto: Martin Wycisk

Die dynamische Entwicklung von Morgenroth führte zu einem stetigen Anstieg des Güter- und Personenverkehrs. Die Rolle als Verkehrsknotenpunkt wurde durch den Bau der Straßenbahnlinie von Zaborze, heute ein Stadtteil von Hindenburg, nach Rosberg, heute ein Stadtteil von Beuthen, im Jahr 1894 sowie durch die Eisenbahnstrecke nach Orzegow im Jahr 1899 weiter gestärkt. Auf die wachsenden Passagierzahlen reagierte man mit dem Ausbau des Bahnhofs in den Jahren 1863 sowie 1900-1902.

Bahnhof Morgenroth Außen
Foto: Martin Wycisk

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Morgenroth Teil Polens, was der Bedeutung des Bahnhofs jedoch keinen Abbruch tat. Mit knapp 200 Zügen täglich war er der zweitwichtigste Bahnhof der Woiwodschaft Schlesien. Wer in den deutschen Teil Oberschlesiens reisen wollte, konnte von hier aus nach Hindenburg fahren.

Klein, aber charakteristisch

Der Umbau von 1900-1902 prägte das heutige Erscheinungsbild des Bahnhofs Morgenroth maßgeblich. Charakteristisch ist das Stahlgerüst, das mit verschiedenfarbigen Ziegeln ausgefacht wurde. Es erinnert stark an alte Fachwerkgebäude und unterscheidet sich dadurch von Bahnhöfen ähnlicher Größe. Im Innenraum befanden sich neben dem Wartesaal auch Toiletten sowie ein Tunnel zu den Bahnsteigen. Zudem gab es Schalter, an denen die Passagiere Fahrkarten erwerben und Reiseinformationen erhalten konnten.

Langsamer Verfall

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Morgenroth ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Lokal- und Regionalverkehr im oberschlesischen Industriegebiet. Sein besonderer Charme brachte dem Bahnhof sogar eine kleine Rolle in der Fernsehserie „Daleko od szosy“ aus dem Jahr 1976 ein. Spätestens seit den 1980er Jahren wurde jedoch systematisch an der Instandhaltung des Gebäudes gespart. Neben der zunehmenden Durchfeuchtung machte sich um die Jahrtausendwende auch der rückläufige Eisenbahnverkehr bemerkbar.

Die Stadt übernimmt

Trotz des fortschreitenden Verfalls wuchs das Bewusstsein für den architektonischen Wert des Bahnhofs. Davon zeugt die Aufnahme in die Route der Technischen Denkmäler der Woiwodschaft Schlesien im Jahr 2006. 2016 übernahm die Stadt Schlesisch-Ruda schließlich die Initiative und kaufte das Gebäude von der Polnischen Staatsbahn PKP zurück.

Bahnhof Morgenroth – Innen
Foto: Martin Wycisk

Im Sommer 2017 begannen die Sanierungsarbeiten, bei denen ein besonderer Fokus auf der Hervorhebung historischer Details lag. Es gelang, die Konstruktion des Hauptschiffs der Halle, die Außenwände mit ihrer eindrucksvollen Ziegelfassade sowie die hölzernen Unterdecken der Seitenschiffe zu erhalten, die von mehreren Schichten Ölfarbe befreit wurden. Die Bauarbeiten wurden im Dezember 2018 abgeschlossen und erhöhten unter anderem durch einen behindertengerechten Zugang den Reisekomfort der Passagiere. Die ambitionierte Modernisierung kostete insgesamt 8 Millionen PLN, wovon die Stadt Schlesisch-Ruda 6,5 Millionen im Rahmen von EU-Programmen einwerben konnte.

Bibliothek mit Vorbildcharakter

Das Herz des erneuerten Bahnhofs bildet die hier angesiedelte Stadtbibliothek. Als „Stacja Biblioteka“ erhielt sie ein neues Zuhause in der verglasten Galerie über der Wartehalle. Neben zahlreichen Bücherregalen befindet sich hier auch ein Lesesaal. Lesern und Reisenden steht zudem ein Café zur Verfügung, das den alten deutschen Namen des Stadtteils trägt: Morgenroth. Die „Stacja Biblioteka“ ist heute weit mehr als eine klassische Bibliothek. In den renovierten Räumlichkeiten finden kulturelle Veranstaltungen aller Art statt, darunter Autorentreffen, Konzerte und Modeschauen.

Sowohl in Polen als auch in Deutschland verlieren kleine Bahnhöfe häufig ihre ursprüngliche Funktion. Die Reduzierung von Bahnverbindungen führt zu sinkenden Passagierzahlen und damit zum Verlust potenzieller Kunden für die im Bahnhof angesiedelten Geschäfte. Schlesisch-Ruda zeigt, wie dieser Teufelskreis durchbrochen werden kann. Eine neue Nutzung kann den oft zentral gelegenen und historisch wertvollen Bahnhofsgebäuden ein zweites Leben einhauchen. Die gelungene Modernisierung in Morgenroth fand bereits 2019 überregionale Anerkennung. In einem landesweiten Wettbewerb wurde sie mit dem Titel „Bahnhof des Jahres“ ausgezeichnet.

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