Die Geschichte Tarnowitz entlang einer Straße entdecken

wochenblatt.pl 2 godzin temu
Zdjęcie: Renaissance-Grabplatte des Georg Schomann von 1614, die in die Fassade des Hauses Nummer 27 eingebaut ist / Renesansowa płyta nagrobna Georga Schomanna z 1614 roku, wmurowana w elewację domu przy nume


Die Gleiwitzer Straße ist eine der ältesten und bekanntesten Straßen in Tarnowitz. Sie beginnt im Herzen der Stadt, an der südwestlichen Ecke des Marktplatzes, und führt bis zur Grenze nach Beuthen, wodurch sie das Zentrum mit dem Stadtteil Repten (Repty Śląskie) verbindet. Schon ihr Name verweist auf die alten Handels- und Verkehrswege der Stadt. Seit dem 16. Jahrhundert verband die Straße Tarnowitz mit Gleiwitz und war ein wichtiger Weg für Kaufleute, Handwerker und Einwohner.

Ursprünge und frühe Kirchengeschichte

Die Geschichte der Gleiwitzer Straße reicht bis zu den Anfängen von Tarnowitz zurück. Sie entstand zusammen mit der Stadt im Jahr 1526 und diente von Anfang an als Hauptachse, die vom ersten Marktplatz, dem heutigen Platz der Bergarbeiter (Plac Gwarków), zum Gleiwitzer Tor führte. In der Nähe der östlichen Häuserreihe wurden die ersten Kirchen und Kapellen errichtet.

Foto: Andrea Polanski

Bereits 1529 bauten die Lutheraner eine hölzerne Kirche, die nach einem Stadtbrand 1531 durch ein steinernes Gotteshaus ersetzt wurde, also die heutige Kirche St. Peter und Paul. Ihr Turm, zwischen 1560 und 1563 erbaut, ist nahezu unverändert erhalten und zählt bis heute zu den Wahrzeichen von Tarnowitz.

Die Renaissance-Laubenhäuser und ihre Architektur

Rund um die Kirche entstand bald ein dichtes Stadtviertel, und die Gleiwitzer Straße füllte sich mit Häusern. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden entlang des vom Markt abzweigenden Abschnitts die ersten Laubenhäuser, heute die Hausnummern 1, 3 und 5, die zum charakteristischen Bestandteil der Tarnowitzer Architektur wurden.

Zunftzeichen des Baumeisters. Foto: Andrea Polanski

Diese Häuser im Renaissance-Stil zeichnen sich durch offene Arkadengänge aus, die früher für Handel und Handwerk genutzt wurden und heute Besucher und Geschichtsinteressierte begeistern. In den Kellern haben sich die ursprünglichen Tonnengewölbe erhalten, und in der Tür des Hauses Nummer 3 ist das Zunftzeichen des Baumeisters noch zu erkennen. Das Eckhaus Nummer 5 mit klassizistischer Fassade und Dekorationen, die Hebe und Demeter darstellen, zeugt von den ständigen Umbauten und ästhetischen Veränderungen über die Jahrhunderte.

Das „Gewerkhaus“ als Spiegel des Wandels

Nicht zu vergessen ist das „Gewerkhaus“ (Dom Gwarka) an der Hausnummer 2, das 1598 erbaut wurde und über die Jahrhunderte unterschiedliche Funktionen erfüllte, von einer evangelischen Schule über die Seifenfabrik von Joseph Lukaschik bis hin zum heutigen Hostel „Młotek i Perlik“.

Ein Spaziergang entlang der Gleiwitzer Straße ist eine Reise durch die Zeit.

Hier trifft Geschichte auf das alltägliche Leben der Einwohner, und die Gebäude der Gleiwitzer Straße erzählen von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen der Stadt.

Religiöse Vielfalt und historische Gedenkstätten

Die Gleiwitzer Straße war auch Zeugin der religiösen und kulturellen Entwicklung Tarnowitz’. Auf der westlichen Seite, außerhalb des Gleiwitzer Tores, entstand 1559 ein neuer Friedhof, und in den folgenden Jahrhunderten wurde die Kirche St. Anna mit dem dazugehörigen Friedhof errichtet.

Renaissance-Grabplatte des Georg Schomann von 1614, die in die Fassade des Hauses Nummer 27 eingebaut ist. Foto: Andrea Polanski

Im 19. Jahrhundert wurde ein jüdischer Friedhof angelegt, einschließlich eines Leichenhauses. Aus dieser vielfältigen religiösen und sozialen Struktur der Stadt sind bis heute wertvolle Zeugnisse erhalten, darunter die Renaissance-Grabplatte des Georg Schomann von 1614, die in die Fassade des Hauses Nummer 27 eingebaut ist. Sie zeigt ein Kind in langem Kleid mit einem Strauß Blumen auf der Brust. Obwohl sie zufällig bei einem Neubau entdeckt wurde, erinnert sie heute an die früheren Bewohner der Stadt und ihre Schicksale.

Bergbautradition und öffentliches Leben

Neben den Laubenhäusern füllen andere historische Gebäude die Gleiwitzer Straße und prägen das Stadtbild. Das Haus Florczak an der Hausnummer 6 soll nach Überlieferung an der Stelle stehen, an der erstmals Silbererz gefunden wurde, was die Straße symbolisch mit der Bergbautradition Tarnowitz’ verbindet. Weitere Denkmäler, städtische Villen, ehemalige Schulen, Pfarrhäuser oder das staatliche Archiv, zeigen die Rolle der Straße als Achse des öffentlichen und kulturellen Lebens. Das historische Kopfsteinpflaster aus dem 19. Jahrhundert verstärkt den historischen Charakter des Weges.

Die Straße als lebendiger Begegnungsort

Die Gleiwitzer Straße ist nicht nur Vergangenheit, sondern auch ein lebendiger Teil der Stadt. Nach Modernisierungen wie dem Austausch der Straßenbeleuchtung im Rahmen des Projekts „Silberstraße“ im Jahr 2018 ist sie ein Ort für Spaziergänge, kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen der Bewohner geworden. Vor den Lauben am Marktplatz wurde die Skulptur eines Bergarbeiters von Norbert Jastalski aufgestellt, und die historischen Häuser laden noch immer dazu ein, die Geheimnisse der Vergangenheit zu entdecken. Jedes Gebäude, jeder Pflasterstein und jede Kapelle erzählen ihre eigene Geschichte und schaffen ein lebendiges Zeugnis von Tarnowitz’ reicher Geschichte als Bergbau-, Handels- und Kulturstadt.

Foto: Andrea Polanski

Ein Spaziergang entlang der Gleiwitzer Straße ist eine Reise durch die Zeit, von den Lauben des 16. Jahrhunderts über barocke und klassizistische Umbauten bis hin zu Spuren der Moderne. Die Straße hat Brände, Kriege und gesellschaftliche Veränderungen überdauert und erzählt bis heute die Geschichte Tarnowitz’, nicht nur in Museen, sondern in den Mauern, Steinen und dem Alltag der Stadt, für jeden, der bereit ist, ihren Geschichten zu lauschen.

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