Eine Erinnerung, die nicht verstummt

wochenblatt.pl 1 godzina temu
Zdjęcie: Gedenktag Oberschlesische Tragödie Lamsdorf 2026. Foto: Stefani Koprek-Golomb


Bericht von den Gedenkfeiern zur Oberschlesischen Tragödie in Lamsdorf

Gestern, am 25. Januar 2026, wurde Lamsdorf (Łambinowice) erneut zum Zentrum des Gedenkens an die schmerzhaften Ereignisse des Jahres 1945. Bewohner der Region, Vertreter der deutschen Minderheit sowie Politiker trafen sich, um den Opfern des Nachkriegsarbeitslagers die Ehre zu erweisen und der Oberschlesischen Tragödie zu gedenken.

Die Feierlichkeiten begannen um 15.00 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche der hl. Maria Magdalena. Das in polnischer und deutscher Sprache gehaltene Gebet verlieh der gesamten Veranstaltung ihren Ton – einen Ton der Versöhnung und der Besinnung.

Die Stimme der Kirche

Pfarrer Andrzej Anderwald, Assistent des bischöflichen Vikars für nationale Minderheiten, betonte, dass die Erinnerung an die Verbrechen vergangener Jahre mit einer christlichen Haltung einhergehen müsse.
„Am einfachsten greift man auf das Gebet ›Vaterunser‹ zurück: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben. Dieses zweite Wort verpflichtet dazu, immer wieder den schweren Weg des Vergebens zu gehen“, sagte Pfarrer Anderwald und erinnerte zugleich an seinen Mentor, Prälat Paweł Pyrchała, der ihn in diese schwierige Thematik eingeführt hatte.

Gedenktag Oberschlesische Tragödie Lamsdorf 2026. Im Bild, (v.l.n.r.): Edyta Gola, Zuzanna Donath-Kasiura, Rafał Bartek.
Foto: Stefani Koprek-Golomb

Die Pflicht des Gedenkens

Nach dem Gottesdienst begaben sich die Teilnehmer zum Friedhof der Opfer des Arbeitslagers in Lamsdorf (Łambinowice). Um 16.15 Uhr wurden Kränze niedergelegt und Hunderte von Kerzen entzündet. Ryszard Galla, stellvertretender Vorsitzender der SKGD, schilderte in seiner Ansprache die Wirklichkeit des Jahres 1945:
„Das Jahr 1945 war eine Zeit unvorstellbarer Verbrechen an der unschuldigen Zivilbevölkerung. An Deutschen und Schlesiern. An Männern, Frauen, alten Menschen und Kindern. Alle erlitten unermessliches Leid: Vertreibungen, Deportationen, Morde, Vergewaltigungen. Die einen wurden zu Opfern, die anderen zu unmittelbaren Zeugen“, erinnerte Galla.

Für viele Anwesende, wie etwa für Urszula Lissy aus der DFK Gorki, ist die Fahrt nach Lamsdorf (Lamsdorf) eine „geistige Pflicht“. Frau Lissy besucht diesen Ort seit zehn Jahren und pflegt die Erinnerung an ihre Verwandten aus Schiedlow.

Der Politiker betonte zudem, dass heute die jüngeren Generationen zur „Stimme derer werden müssen, die schwiegen“.
„Heute liegt die Verantwortung für die Bewahrung ihrer Schicksale bei uns. Viele Jahre lang durften die Opfer dieser Tragödie nicht über das ihnen zugefügte Unrecht sprechen. Aber wir können und sollen es tun. Gerade dank uns bleibt die Erinnerung an ihr Leiden lebendig“, unterstrich er und fügte hinzu, dass erst nach 1989 ein würdiges Gedenken an diesen Ort durch die Errichtung eines Kreuzes und die Anlage eines Friedhofs möglich wurde.

Die europäische Dimension der Tragödie. Die Stimme eines Politikers

Der an den Feierlichkeiten teilnehmende Europaabgeordnete Łukasz Kohut wies darauf hin, wie wichtig es sei, dass das Wissen über die schlesischen Schicksale über die Grenzen der Region hinausgetragen werde.
„Wir brauchen es, dass sowohl Polen als auch ganz Europa weiß, was sich nach 1945 auf schlesischem Boden ereignet hat. Lamsdorf ist ein besonderer Ort, weil diese Tafeln mit konkreten Namen der Menschen schreien, die hier ermordet wurden. Solche Tafeln mit Namen gibt es an anderen Gedenkorten dieser Ereignisse nicht. Das wirkt auf die Vorstellungskraft“, sagte Kohut und erinnerte an seine Bemühungen, den Begriff ›Oberschlesische Tragödie‹ dauerhaft in den Resolutionen des Europäischen Parlaments zu verankern.

Europaabgeordnete Łukasz Kohut wies darauf hin, wie wichtig es sei, dass das Wissen über die schlesischen Schicksale über die Grenzen der Region hinausgetragen werde. Im Bild (v.l.n.r): Ryszard Galla, Łukasz Kohut, Joanna Hassa.
Foto: Stefani Koprek-Golomb

Persönliche Dramen. Stimmen der Erinnerung

Für viele Anwesende, wie etwa für Urszula Lissy aus der DFK Gorki, ist die Fahrt nach Lamsdorf (Łambinowice) eine „geistige Pflicht“. Frau Lissy besucht diesen Ort seit zehn Jahren und pflegt die Erinnerung an ihre Verwandten aus Schiedlow.
„Meine Tante aus Deutschland erzählte mir, was hier im Lager in Lamsdorf geschah. In der Schule wurde Geschichte nur oberflächlich behandelt, deshalb versuche ich als Erwachsene, diesem Thema auf den Grund zu gehen. Heute komme ich mit meinen Enkeln hierher und erzähle ihnen diese komplizierte und tragische Geschichte. Ich fürchte nur, ob die heutige Jugend eines Tages noch so viel Interesse an diesen Ereignissen haben wird wie wir“, gestand Urszula Lissy.

Gedenktag Oberschlesische Tragödie Lamsdorf 2026.
Foto: Stefani Koprek-Golomb

Von einer ähnlichen Motivation lässt sich Barbara Żymła aus der DFK Chrzumczütz leiten. Obwohl ihre Familie nicht direkt in Lamsdorf inhaftiert war, kommt sie hierher, um der in Boguschütz ermordeten Angehörigen zu gedenken.
„Meine Großmutter wurde von der Roten Armee erschossen, ebenso meine Tante mit ihren vier Kindern. Als mein Onkel aus der russischen Gefangenschaft zurückkehrte, hatte er niemanden mehr. In Boguschütz ermordeten die Sowjets in wenigen Tagen nach der Überschreitung der Oder etwa 300 Menschen. Ich komme hierher, denke an die Opfer und erlebe es innerlich mit. Das ist für mich sehr wichtig“, sagte Barbara.

Musik, die Trost spendet

Den Abschluss des Tages bildete ein Konzert im Zentralmuseum der Kriegsgefangenen unter dem Titel „Jesu spes mea – Poesie und Musik, die Trost spenden“. Vor dem Publikum traten Schüler und Absolventen der Staatlichen Musikschule in Oppeln sowie Oskar Koziołek-Goetz auf. Die Auswahl der Werke, für die der Musiker Hubert Prochota verantwortlich war, wurde zu einer künstlerischen Ergänzung von Gebet und Nachdenken.

Gedenktag Oberschlesische Tragödie Lamsdorf 2026.
Foto: Stefani Koprek-Golomb

Die gestrigen Feierlichkeiten, organisiert vom Verband der deutschen Gesellschaften (VdG) in Polen mit Unterstützung des deutschen Innenministeriums, zeigten einmal mehr, dass zwar 81 Jahre seit der Tragödie vergangen sind, die Wunde in den Herzen der Bewohner Schlesiens jedoch weiterhin offen ist und das Bedürfnis nach Wahrheit ungebrochen bleibt.

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