Konföderierte lehnen Expansion der deutschen Sprache ab

wochenblatt.pl 2 godzin temu
Zdjęcie: Am Bahnhof von Angerburg (heute Węgorzowo) laufen Renovierungsarbeiten. Foto: Lech Kryszałowicz


Empörung über die Geschichte

Aktivisten der Konföderation der Polnischen Krone aus Angerburg befürchten, dass die Beibehaltung des deutschen Namens Angerburg (heute Węgorzowo) am historischen Bahnhof die Polnischkeit der Stadt gefährdet.

Angerburg: Am Bahnhof von Angerburg laufen seit einem Jahr Renovierungsarbeiten. Die Arbeiten umfassen die vertikale und horizontale Isolierung der Fundamentwände, die Reparatur der Fenster und Außentüren sowie die umfassende Renovierung der Fassade. Diese erfolgen unter Aufsicht des Denkmalamtes, das die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands des Bahnhofs verlangt. In diesem Zustand befand sich an der Frontwand die Aufschrift „Angerburg“. Heute ist sie wieder vorhanden. Nach Ansicht der Mitglieder der Konföderation der Polnischen Krone gefährdet der nicht-polnische Name am Bahnhof die Polnischkeit Angerburgs. Aus diesem Grund luden sie am 9. Januar zu einer Pressekonferenz am Bahnhof ein.

„Wir stimmen nicht zu“

„Der Bahnhof in Angerburg ist ein Beispiel für die Expansion der deutschen Sprache in unserer Region. Hinter uns befindet sich die Aufschrift Angerburg, der deutsche, preußische Name, der kürzlich an der Fassade des Bahnhofs wieder aufgetaucht ist. Warum nicht der altpolnische Name Węgobork? Soll das etwa eine Rückkehr zur Germanisierungspolitik sein?“, fragte Agnieszka Wołodźko, Vorsitzende des Konföderierten-Kreises in Angerburg.

Am Bahnhof von Angerburg laufen Renovierungsarbeiten.
Foto: Lech Kryszałowicz

„Wir stimmen der Expansion der deutschen Sprache im polnischen öffentlichen Raum nicht zu“, fügte Ryszard Zbiciak, Pressesprecher des Wahlkreises Nr. 35 dieser Partei, hinzu.

Politischer Streit oder Sorge um das Erbe?

Krzysztof Kołaszewski, Bürgermeister von Angerburg, beurteilt den Streit um die Aufschrift am Bahnhof eher als politische Überinterpretation der Fakten denn als reales Risiko. Er betont, dass der deutsche Name historisch sei und während der Renovierung mit Zustimmung des Denkmalamtes wiederhergestellt wurde.

„Die Mehrheit der Bewohner teilt die Bedenken der Konföderierten-Aktivisten nicht. Natürlich würde ich lügen, wenn ich sagte, dass die Aufschrift niemandem stört. Aber für die meisten Bewohner ist das nichts Schlechtes. Ich denke, wir sind unseren Nachkommen schuldig zu zeigen, woher wir kommen, wer hier vor uns war. Ich sehe absolut kein Motiv im Zusammenhang mit einem Versuch der Germanisierung“, so der Bürgermeister.

Kann man über Geschichte empört sein? Ja, kann man. Aber selbst die heiligste Empörung ändert nicht, was war.

Die gesamten Renovierungskosten belaufen sich auf ca. 2 Mio. PLN brutto. Das Vorhaben wird größtenteils aus dem Regierungsprogramm zur Restaurierung von Denkmälern gefördert. Im Bahnhofsgebäude an der stillgelegten Bahnstrecke befindet sich das Museum der Eisenbahntradition, betrieben von der Stiftung „Unser Erbe“. Es beherbergt eine umfangreiche Sammlung historischer Geräte, Werkzeuge, Fahrpläne, Fotografien und Karten, die die Geschichte der Eisenbahn in Ostpreußen, dem heutigen Woiwodschaft Ermland-Masuren und der Suwałki-Region dokumentieren. Regelmäßig finden hier Vorträge, thematische Treffen, Filmvorführungen sowie Workshops für Kinder und Erwachsene statt.

Wiederholung der „Empörung“

Eine genau gleiche Geschichte ereignete sich 2016 in Ortelsburg (Szczytno). Während Renovierungsarbeiten am dortigen Bahnhof enthüllte das Bauteam die Aufschrift Ortelsburg – den historischen Namen des Bahnhofs. Dieses Ereignis empörte den PiS-Abgeordneten Arkadiusz Czartoryski, der die Situation als „Skandal“ bezeichnete. „Die Polen selbst haben auf ihre polnische Identität verzichtet“, schrieb er damals auf Facebook.

Der Bahnhof von Ortelsburg (Szczytno).
Foto: Lech Kryszałowicz

Die Empörung des Abgeordneten nutzte wenig. Die Aufschrift Ortelsburg blieb, da auch der Bahnhof von Szczytno ein Denkmal ist und das Denkmalamt den ursprünglichen Zustand erhalten lassen wollte.

Kann man über Geschichte empört sein? Ja, kann man. Aber selbst die heiligste Empörung ändert nicht, was war.

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