„Wir sind Deutsche – mit Herz und Kultur“
Beim traditionellen Jahresauftakt saßen sie wieder zusammen: Frauen aus kleinen Dörfern, mit Geschichten, Ideen und starkem Gemeinschaftsgeist. Doch dieses Jahr war anders. Nach fast zwanzig Jahren unter der Leitung von Maria Żmija-Glombik hat eine neue Generation die Führung im Verband Schlesischer Landfrauen (Związek Śląskich Kobiet Wiejskich) übernommen – einer der traditionsreichsten Organisationen der deutschen Minderheit in der Oppelner Region.
Die Versammlung am Mittwoch, dem 28. Januar, in Walzen war geprägt von Vertrautem – Kaffee, selbstgebackenem Kuchen und lebhaften Gesprächen –, aber auch von Aufbruchsstimmung: Ein neu gewählter Vorstand will Tradition mit zeitgemäßen Akzenten verbinden.
Der Verband Schlesischer Landfrauen wurde 1994 gegründet mit dem Ziel, die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Stellung von Frauen in ländlichen Gemeinden der Woiwodschaft Oppeln und Teilen Schlesiens zu stärken. Über die Jahre hat der Verband zahlreiche Initiativen entwickelt: Workshops zur Pflege schlesischer Traditionen, handwerkliche Seminare, kulturelle Veranstaltungen und die Förderung regionaler Produkte. Er hat sich als kraftvolle Gemeinschaft etabliert, die nicht nur lokale Identität stärkt, sondern auch grenzüberschreitende Beziehungen pflegt.
Neuer Vorstand von rechts: Maria Żmija-Glombik (bisherige Vorsitzende), Sylwia Koziolek-Beier (neue Vorsitzende), Regina Gnilka, Zofia Habasz, Teresa Chałupnik, Urszula Ziegler. (Auf dem Foto fehlt Beata Sczasny.)Foto: Schlesischer Landfrauenverband
Neuer Vorstand – neue Akzente
In der neuen Amtszeit – die bis 2029 reicht – übernimmt Silvia Koziolek-Beier (Groß Strehlitz) den Vorsitz. Unterstützt wird sie von einem vielfältigen Team:
• Stellvertretende Vorsitzende: Teresa Chałupnik (Deutsch Probnitz) und Regina Gnilka (Oberglogau Weingasse)
• Schatzmeisterin: Zofia Habasz (Groß Strehlitz)
• Sekretärin: Urszula Ziegler (Oberglogau Hinterhof)
• Weitere Mitglieder: Maria Żmija-Glombik (Walzen), Beata Sczasny (Autischkau)
Dieses Gremium vereint Erfahrung mit frischem Engagement und steht für eine Verbindung von Bewahrung und Neuerfindung.
Im Gespräch beschreibt Silvia Koziolek-Beier ihre Erwartungen an die neue Rolle:
„Ich freue mich auf die Aufgabe. In der letzten Kadenz war ich stellvertretende Vorsitzende und habe viel von den älteren Frauen gelernt. Ich bin durch und durch deutsche Schlesierin und möchte das sehr gerne weiterführen.“
Auf die Frage nach den Herausforderungen antwortet sie klar:
„Eine Herausforderung ist, dass wir zur deutschen Minderheit gehören. Ich möchte stärker betonen, dass wir Deutsche sind – dass die deutsche Sprache hörbar ist, unsere Kultur dargestellt wird und wir unser Deutschtum an die Jugendlichen weitergeben.“
Die Kombination aus Traditionstreue und Innovationsbereitschaft könnte den Verband stärken und seine Attraktivität gerade für jüngere Mitglieder erhöhen.
Sie betont, dass Traditionen wie Handwerk und Küche wertvoll seien, aber nicht das alleinige Programm. Besonders am Herzen liegt ihr die kulturelle Vermittlung über Generationen hinweg: Sie plant die Gründung einer Theatergruppe, die Geschichte und Tradition in deutscher Sprache erlebbar macht.
„Wir müssen uns unbedingt um junge Menschen kümmern. Vielleicht gewinnen wir sie nicht für traditionelle Aufgaben wie Erntedankkronen, aber durch Theater und Musik kann es gelingen“, so die neue Vorsitzende weiter.
Dieser Blick nach vorne zeigt, wie der Verband sich wandelt: weg von einer klassischen Hausfrauenorganisation – hin zu einer Plattform für kulturellen Ausdruck, Identitätsstärkung und intergenerationelle Zusammenarbeit. Die Betonung der deutschen Sprache und Kultur als lebendiges Erbe steht dabei im Zentrum der neuen Vision.
Erfahrung und Abschied nach zwanzig Jahren
Auch die scheidende Vorsitzende Maria Żmija-Glombik war anwesend – nun als reguläres Vorstandsmitglied. Sie führte den Verband fast zwanzig Jahre lang durch vier Amtszeiten und prägte seine Entwicklung entscheidend. Auf die Frage, warum sie zurückgetreten sei, antwortete sie offen: „Es war Zeit zu gehen – aus gesundheitlichen Gründen und weil ich andere Verpflichtungen habe.“
Maria erinnert sich an die herzliche Gemeinschaft: „Wir haben keine Wettbewerbe gemacht – jede Aktion war Integration.“ Und sie bleibt optimistisch für die Zukunft: „Der Verband sollte seine Aktivitäten fortsetzen, etwas Neues einführen und mit anderen Organisationen kooperieren.“
Das Logo des Vereins Schlesischer Landfrauen.Ihr wichtigstes persönliches Andenken? „Die Herzlichkeit. Gemeinsame Ausstellungen, gegenseitiges Lernen und Freude darüber, was wir tun.“ Aus ihrer langjährigen Erfahrung gibt sie der neuen Vorsitzenden mit auf den Weg, gute Kontakte zu lokalen Behörden aufzubauen und zu zeigen, „dass unsere Tätigkeit sozial ist – wir warten nicht auf Geld, sondern handeln selbst“.
Die Kombination aus Traditionstreue und Innovationsbereitschaft könnte den Verband stärken und seine Attraktivität gerade für jüngere Mitglieder erhöhen. Während der Verband seine kulturellen Wurzeln pflegt, öffnet er sich zugleich neuen Ausdrucksformen deutscher Minderheitenkultur in Polen – als lebendige Gemeinschaft, die weder im Museum noch in der Küche stagnieren will, sondern in Kunst, Sprache und Zukunftsgestaltung.









