Oberschlesien im Bergischen Land, Teil 1

wochenblatt.pl 1 godzina temu
Zdjęcie: Foto: Martin Wycisk


Ein Museum zum Anfassen

Zwischen der Landeshauptstadt Düsseldorf und Essen ist seit 1983 das Oberschlesische Landesmuseum (OSLM) im Ratinger Stadtteil Hösel beheimatet und bringt Besuchern die Geschichte und Kultur Oberschlesiens näher. Wir besuchten das Museum, erhielten dabei spannende Einblicke in seine Sammlungen und Ausstellungskonzepte und machten uns selbst ein Bild.

Zwei Sessel, eine Kommode und eine Schlesienkarte an der Wand, es wirkt wie eine typische Ausstellung, in der die Regel „Nichts anfassen“ gilt. Doch nicht hier, denn es handelt sich um einen von zwei Escape Rooms im Oberschlesischen Landesmuseum. Im Rahmen eines interaktiven Gruppenspiels lernen zwei bis sechs Teilnehmer unter anderem die oberschlesische Geschichte, den Bergbau und Persönlichkeiten aus der Region kennen. Im zweiten EscapeRoom stehen Themen wie Küche, Sprache und Dialekt sowie Fußball im Mittelpunkt. Sechzig Minuten haben die Spieler Zeit, alle Rätsel zu lösen. Wenn sie nicht weiterwissen, können sie über ein Tablet Tipps erhalten.

Foto: Martin Wycisk

„Die Idee für die Escape Rooms entstand in der Coronazeit 2021. Wir suchten nach neuen Formaten und wollten Analoges mit Digitalem verbinden“, berichtet Katarzyna Schieweck, die am OSLM für Kommunikation und Marketing verantwortlich ist. Dank einer Förderung der Kulturstiftung des Bundes konnten die zwei Räume 2022 eröffnet werden. „Bei unseren Besuchern kommt das Angebot gut an, es finden hier sogar Teambuildingmaßnahmen statt“, so Frau Schieweck.

Über 40 Jahre in Ratingen-Hösel

Dass das Oberschlesische Landesmuseum 1983 gerade in Ratingen-Hösel gegründet wurde, lag an geografischen Faktoren. „Einerseits suchte die Gründergeneration die Nähe zur Landeshauptstadt Düsseldorf, andererseits existierte mit dem Sitz der Landsmannschaft der Oberschlesier bereits ein günstiges Umfeld für das Museum. Die Landsmannschaft hatte die Stiftung Haus Oberschlesien zwar 1970 in Bonn gegründet, später jedoch eine Villa in Ratingen-Hösel erworben. Hinzu kommt, dass das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1964 die offizielle Patenschaft für die Oberschlesier übernahm“, erläutert Frau Schieweck.

Seit der Museumsgründung verändert sich auch die Besucherstruktur. Zu Beginn gehörte vor allem die sogenannte Erlebnisgeneration zur wichtigsten Zielgruppe, heute sind es neben deren Kindern und Enkeln auch viele Menschen, die als Spät- oder Aussiedler oder nach 2004 aus Polen ausgewandert sind.

Im Haus Oberschlesien war das OSLM auch anfangs beheimatet, bis 1998 ein moderner Museumsbau mit 1.600 m² Ausstellungsfläche für Dauer- und Wechselausstellungen bezogen werden konnte. Von den rund 15.000 Objekten der Sammlung seien jedoch nur etwa zehn Prozent zu sehen, was aber auch bei anderen Museen üblich sei, so die Fachfrau. Eine wichtige Besonderheit der Sammlung ist, dass sie nicht nur aus gezielten Zukäufen besteht, sondern auch aus zahlreichen Schenkungen.

Traditionen, Alltag und Bergbau

Die Kultur- und Heimatpflege stehen seit der Gründung im Mittelpunkt der Museumsarbeit. Aus dem Jahr 1998 stammt die aktuelle Dauerausstellung, die einen breiten Überblick über Oberschlesiens Brauchtum, Alltagsleben, Stadtentwicklung und die Eisengusskunst gibt. In separaten Ausstellungen im Untergeschoss werden schlesisches Porzellan präsentiert sowie der für Oberschlesien wichtige Bergbau thematisiert.

Das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen wurde 1983 von der Stiftung Haus Oberschlesien gegründet, die 1970 ins Leben gerufen wurde, und bezog 1998 sein modernes Gebäude mit rund 1.600 Quadratmetern Ausstellungsfläche.
Quelle: Oberschlesisches Landesmuseum der Stiftung Haus Oberschlesien

Der geübte Museumsfreund wird das Alter der Dauerausstellung bemerken. Wer dagegen selten Museen besucht, dem können beim Vergleich mit den Sonderausstellungen einige methodische Unterschiede auffallen. Als Beispiel dient hier die Ausstellung „Silberfieber. Der Tarnowitzer Bergbau, das UNESCO-Welterbe in Oberschlesien“. Diese war bis zum 21. Dezember 2025 im OSLM zu sehen und wurde zusammen mit dem Verein der Heimatfreunde des Tarnowitzer Landes erarbeitet. Sie widmete sich dem Silberbergbau in Tarnowitz und unterschied sich durch den Einsatz digitaler Elemente.

Während Tablets mit Zusatzinformationen und 3D-Modellen eine thematische Vertiefung ermöglichen, eröffnet der Einsatz der sogenannten „Virtuellen Realität“ vollkommen neue Möglichkeiten, ein Museum erfahrbar zu machen. In der Ausstellung gelang Letzteres mithilfe zweier Brillen, die den Besucher direkt in die Tarnowitzer Silbermine versetzten. Die eine zeigte die Arbeit mittelalterlicher Bergmänner, die andere nahm einen mit auf eine Bootsfahrt durch den „Schwarze-Forelle-Stollen“.

Der Einsatz der sogenannten „Virtuellen Realität“ eröffnet neue Möglichkeiten, ein Museum erfahrbar zu machen.
Foto: Martin Wycisk

Seit der Museumsgründung verändert sich auch die Besucherstruktur. Zu Beginn gehörte vor allem die sogenannte Erlebnisgeneration zur wichtigsten Zielgruppe, heute sind es laut Frau Schieweck neben deren Kindern und Enkeln auch viele Menschen, die als Spät- oder Aussiedler oder nach 2004 aus Polen ausgewandert sind. Ziel bleibe jedoch weiterhin, die Mehrheitsgesellschaft zu erreichen.

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