Geschichte und Geheimnisse eines kleinen Ortes in Großpolen
Die Kreativität unserer Vorfahren bei der Benennung von Städten und Dörfern kannte keine Grenzen. Daran dachte ich neulich, als ich ein Paket über Vinted an eine Frau in dem wunderbar klingenden Ort Ryczywół (wortwörtlich: Brüllender Ochse) schickte. Das Dorf liegt in der Woiwodschaft Großpolen, Kreis Obornik – man erkennt sofort, dass es auch eine deutsche Vergangenheit hatte. Bei der Suche nach dem „brüllenden Ochsen“ in der deutschen Ortsbezeichnung stieß ich jedoch nur auf das elegante Ritschenwalde. Schade, aber die Lektüre der Ortsgeschichte war trotzdem lohnenswert.
Das Wappen der Gemeinde Ryczywół.Foto: Wikipedia
Anfänge
Ryczywół entstand Anfang des 15. Jahrhunderts als private Stadt auf dem Gelände des früheren Dorfes Krężoły und trug zunächst den Namen Nowy Ostrów. Das genaue Datum der ursprünglichen Gründung ist unbekannt, doch am 9. August 1426 erneuerte König Władysław II. Jagiełło das Stadtrecht für Nowy Ostrów. Drei Jahre später, 1429, erscheint der Ort in historischen Quellen erstmals unter dem Namen Ryczywół, der allmählich den ursprünglichen Namen vollständig verdrängte. Der Name und das Stadtwappen – ein schwarzer Stierkopf – leiten sich vermutlich von den damals hier stattfindenden Viehmärkten und den zahlreichen Herden auf den grünen Ebenen ab.
Ryczywół verlor 1934 das Stadtrecht und ist heute ein ruhiges Dorf.Foto: Wikipedia
Von Anfang an war Ryczywół eine kleine Stadt. Während des Dreizehnjährigen Krieges stellte die Stadt 1458 zwei Fußsoldaten, die zur Unterstützung der belagerten polnischen Besatzung der Burg Marienburg geschickt werden sollten. Im Mittelalter wurde die Größe einer Stadt oft an der Zahl ihrer Soldaten gemessen: Zum Vergleich, Rogoźno stellte damals 15, andere Städte der Region 6–10 Soldaten – Ryczywół gehörte damit zu den kleinen Städten Großpolens.
Schwankende Schicksale und deutsche Geschichte
Die ersten Besitzer der Stadt waren die Familien Objezierski und Kiszewski. Später übernahmen Adelsfamilien wie die Czarnkowski und Grudziński die Stadt, verliehen Marktrechte und führten ein eigenes Bürgermeisterbuch. Nach den Schwedischen Kriegen, die Ryczywół Mitte des 17. Jahrhunderts zerstörten, brachte Piotr Chełkowski neue Siedler, hauptsächlich deutsche Flüchtlinge, die das sogenannte Neue Stadtviertel gründeten. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die deutsche Geschichte Ryczywóls – im 18. und 19. Jahrhundert siedelten sich hier zahlreiche deutsche Kolonisten an, und in preußischen Dokumenten erscheint der Ort als Lopischewo zu Ritschenwalde.
Heute ist Ryczywół ein ruhiges Dorf, das trotz des Statusverlustes weiterhin durch seinen Namen, seine Legenden und Spuren früherer Glanzzeiten fasziniert.
Ab 1793 gehörte Ryczywół zum preußischen Teilungsgebiet, ab 1807 zum Herzogtum Warschau, und ab 1815 erneut zu Preußen. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt Ryczywół am 6. Januar 1919 wieder zu Polen zurück.
Niedergang der Stadt und Gegenwart
Im 19. Jahrhundert blieb Ryczywół ein kleiner Ort, dessen Bevölkerung langsam wuchs: 600 Einwohner 1808, 1100 1860, 1250 1912. Das Kleingewerbe versorgte vor allem den Ort und die umliegenden Dörfer. Erst nach 1896, mit dem Eisenbahnanschluss nach Rogoźno und Krzyż, kam es zu einer kurzen wirtschaftlichen Belebung – die aber nicht von Dauer war. Die zunehmende Rezession führte schließlich 1934 zum Verlust der Stadtrechte.
Das alte Bahnhofgebäude.Foto: Wikipedia
Heute ist Ryczywół ein ruhiges Dorf, das trotz des Statusverlustes weiterhin durch seinen Namen, seine Legenden und Spuren früherer Glanzzeiten fasziniert.

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