Die Oberschlesische Tragödie ist ein weit gefasster Begriff, der ein großes geografisches Gebiet und viele Orte umfasst. Wir besuchten Myslowitz, wo am 24. Januar der Ortskreis der Bewegung für die Autonomie Schlesiens und der Verein „Ślōnskŏ Ferajna” zur Feier des 81. Jahrestages dieser tragischen Ereignisse einluden. Die Orte der Feierlichkeiten sind nicht nur Räume der Erinnerung an den Terror der kommunistischen Machthaber, sondern auch an den deutschen Terror vor 1945, der eine Folge des nationalsozialistischen Totalitarismus war.
Der Waldfriedhof im Stadtteil Wesola
Der Waldfriedhof im Stadtteil Wesola, in der Nähe des Bergwerks KWK Wesola gelegen, beherbergt die Gräber von Opfern des Zweiten Weltkriegs und der Oberschlesischen Tragödie. Dieser Ort war von Anfang an von Gewalt geprägt. 1943 errichteten die Deutschen hier das Zwangsarbeitslager Fürstengrube, das dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau unterstellt war. Zwei Hektar Land, umgeben von einer Mauer, Stacheldraht und Wachtürmen, wurden zu einer vom Leben abgeschnittenen Welt. In den Baracken wurden hauptsächlich Juden, aber auch Polen zusammengepfercht. Im Sommer 1944 befanden sich hier etwa 1.200 Häftlinge, von denen viele nicht überlebten. Ihre Leichen wurden auf dem nahe gelegenen Waldfriedhof beerdigt.
Der Waldfriedhof in Wesola wurde zum stummen Zeugen einer doppelten Tragödie. Hier ruhen Opfer des nationalsozialistischen und kommunistischen Systems. Juden, Polen, Schlesier, schlesische Deutsche und auch deutsche Soldaten.
Der Januar 1945 brachte eine weitere Tragödie mit sich. Die meisten Häftlinge wurden auf einen Todesmarsch geschickt. Diejenigen, die keine Kraft mehr hatten und in den Baracken blieben, ereilte ein noch schlimmeres Schicksal. Am 27. Januar wurden etwa 250 Kranke in einer Baracke bei lebendigem Leibe verbrannt.
Als der Krieg zu Ende war, verschwand die Gewalt nicht. Sie änderte lediglich ihre Farben und Symbole, wie Arnold Langner vom Verein Ślōnskŏ Ferajna in seiner Rede betonte. In den vierziger Jahren änderte der Terror also lediglich seine Farben. Zunächst war er „schwarz-weiß-rot”, dann „weiß-rot”. Einheimische wurden zunächst als „Kanonenfutter” an die Front geschickt und später als Arbeitskräfte in kommunistischen Lagern eingesetzt.
Stummer Zeuge der Tragödie
„Es gab Dutzende, vielleicht sogar Hunderte solcher Lager. Sie entstanden in der Nähe von Bergwerken und Industrieanlagen”, sagt Arnold Langner. „Dorthin kamen vor allem Männer, oft sehr junge. Sie wurden zu Sklavenarbeit gezwungen. Sie bekamen eine Schüssel Suppe und ein Stück Brot. Es gab keine medizinische Versorgung, keinen Schutz. Die Menschen starben an Hunger, Krankheiten und Erschöpfung. Es gab auch Todesfälle nach Misshandlungen und Arbeitsunfällen.”
Der Waldfriedhof in Wesola wurde zum stummen Zeugen einer doppelten Tragödie. Hier ruhen Opfer des nationalsozialistischen und kommunistischen Systems. Juden, Polen, Schlesier, schlesische Deutsche und auch deutsche Soldaten.
Die deutsche Minderheit wurde bei den Feierlichkeiten durch den Vorsitzenden der SKGD in der Woiwodschaft Schlesien, Martin Lippa, und Agnieszka Dłociok vom Woiwodschaftsvorstand vertreten.3. Der zweite Teil der Feierlichkeiten fand an der Skulptur statt, die den Opfern des provisorischen.
Foto: A. Polanski
„Dieser Friedhof ist Teil einer größeren Geschichte, die wir als Oberschlesische Tragödie bezeichnen“, betont Langner. „Über Jahre hinweg wurde die Erinnerung an solche Orte vor allem von der deutschen Minderheit aufrechterhalten. Sie war es, die begann, diese Geschichten wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die Einwohner von Wesola wussten, was hier geschehen war, aber lange Zeit durfte darüber nicht gesprochen werden. Die ersten Versuche, offen darüber zu sprechen, gab es in den 1990er Jahren, und systematische Gedenkmaßnahmen gibt es seit Anfang des 21. Jahrhunderts.“
Nach den Reden, Erinnerungen und dem Niederlegen von Kränzen und Kerzen auf dem Waldfriedhof begaben sich die Teilnehmer der Feierlichkeiten, die Stadträte von Myslowitz, Vertreter der Forstverwaltung Kattowitz und des Bergwerks KWK Wesola, eine Delegation der Stadtpolizei, Vertreter von sozialen Organisationen und Schulen, der Europaabgeordnete Łukasz Kohut sowie Vertreter der deutschen Minderheit in der Woiwodschaft Schlesien, der Vorsitzende Martin Lippa und das Vorstandsmitglied Agnieszka Dłociok, zum Promenadenpark im Zentrum von Myslowitz. Dort befindet sich eine Skulptur, die den Opfern des provisorischen Gefängnisses und des Arbeitslagers Rosengarten gewidmet ist.
Rosengarten, der Vorhof der Hölle
In den Jahren 1941 bis 1945 befand sich hier das deutsche Polizeigefängnis Rosengarten, das von den Häftlingen als „Vorhof der Hölle” bezeichnet wurde. Schätzungen zufolge durchliefen etwa 20.000 Menschen dieses Gefängnis, hauptsächlich auf ihrem Weg nach Auschwitz. Das Polizeiersatzgefängnis in Myslowitz war während des Zweiten Weltkriegs ein Ort extremer Grausamkeit. Dort wurden brutale Verhör- und Bestrafungsmethoden angewendet. Die Häftlinge wurden gefoltert, mit Stromschlägen malträtiert, kopfüber aufgehängt und bewusstlos geschlagen. Die überfüllten Zellen verstärkten das Leiden noch. Die Häftlinge mussten auf Befehl auf die Pritschen springen und regungslos liegen bleiben, jede Bewegung wurde mit Schlägen durch die Wachen geahndet. Das Ausmaß der Gewalt war so groß, dass sogar der neue Chef der deutschen Polizei in Kattowitz 1943 sie als jenseits aller Grenzen stehend bezeichnete. Er stellte fest, dass die Häftlinge „schließlich auch Menschen” seien und dass „man zwar schlagen dürfe, aber in Maßen”. Berichten zufolge verbesserten sich die Bedingungen erst nach dieser Intervention geringfügig.
Der zweite Teil der Feierlichkeiten fand an der Skulptur statt, die den Opfern des provisorischen Gefängnisses und des Arbeitslagers Rosengarten gewidmet ist.Foto: A. Polanski
Nach 1945 gab es hier ein kommunistisches Arbeitslager, das ebenfalls viele Opfer forderte. „Wir sind heute hier, um denen zu gedenken, die ihr Leben verloren haben und oft jahrzehntelang völlig vergessen waren”, sagte Agnieszka Dłociok. „Diese Ereignisse betreffen uns alle. Es ist meine persönliche Pflicht und Verantwortung, diese Geschichte weiterzutragen. Als deutsche Minderheit fühlen wir uns besonders verpflichtet, diese Erinnerung zu bewahren und an künftige Generationen weiterzugeben.”
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