Neue Arenen, alte Traditionen: Oberschlesiens Fußballstadien im Umbruch – Teil 4: Kattowitz

wochenblatt.pl 9 godzin temu
Zdjęcie: Alter GKS Katowice Stadion Foto: pxhere.com


Eine Stadt mit alter Fußballtradition

Die Woiwodschaftshauptstadt steht fußballerisch im Schatten der Erfolge der Vizerekordmeister Ruch Chorzów und Górnik Zabrze. Mit dem neuen Stadion kann Kattowitz jedoch auf die modernste Sportarena der Region stolz sein.

Die Geschichte des Kattowitzer Fußballs teilt sich auf viele Vereine, wobei in der Zwischenkriegszeit der 1905 gegründete 1. FC Kattowitz die größte Bekanntheit genoss. Dies lag u.a. an seinem Status als Klub der deutschen Minderheit. Mit dem 1. FC Kattowitz besteht organisatorisch keine Verbindung zum heutigen Ekstraklasa-Verein GKS Katowice (das Kürzel steht für Bergmannsportklub). Der 1. FC Kattowitz wurde 1945 aufgelöst, während der umgangssprachlich als „GieKSa“ bezeichnete Klub erst 1964 durch den Zusammenschluss von sieben Kattowitzer Sportvereinen gegründet wurde, um einen konkurrenzfähigen Verein zu schaffen.

Alter GKS Katowice Stadion
Foto: pxhere.com

Die größten Erfolge feierte GKS in den 1980er- und 1990er-Jahren mit drei polnischen Pokalsiegen (1986, 1991, 1993) und vier Vizemeisterschaften (1988/89, 1992, 1994). International erreichte der Verein mehrmals das Achtelfinale im Europapokal und im UEFA-Pokal, u.a. 1995 nach einem Sieg gegen Bordeaux mit Spielern wie Zidane. Aufgrund finanzieller Probleme musste GKS 2005 zwangsweise in die 4. Liga absteigen, schaffte jedoch innerhalb von zwei Jahren den Durchmarsch zurück. Die Rückkehr in die Ekstraklasa gelang 2023/24, wo sich der Verein als Achter problemlos in der Liga behaupten konnte.

Untrennbar mit der erfolgreichsten Zeit des Vereins verbunden ist der Stürmer Jan Furtok, der u.a. mit seinem Hattrick zum ersten Pokalsieg beitrug. Der polnische Nationalspieler und Teilnehmer an der WM 1986 war auch als Torjäger in der Bundesliga (u.a. für den Hamburger SV) mit 60 Toren in 188 Spielen überaus erfolgreich. Das hohe Ansehen Furtoks zeigt sich daran, dass seine Rückennummer bei GKS seit 2006 nicht mehr vergeben wird.

Die Debatte um den Neubau

Bis 2025 trug die GieKSa ihre Heimspiele im Stadion an der Bukowastraße aus, das im Park Śląski und damit auf dem Stadtgebiet von Königshütte liegt. Der modernisierte Bau aus dem Jahr 1955 mit 6710 Plätzen entsprach jedoch schon lange nicht den Standards, und seit 2006 wurde ein Um- bzw. Neubau des beliebten „Blaszok“ (Blechhütte) diskutiert. Die kommunalpolitische Debatte wurde zum Teil kontrovers geführt. Dabei ging es um die Lage des Neubaus, die Kapazität, die Baukosten sowie um die Frage, ob andere kommunale Investitionen Vorrang haben sollten. Letztendlich entschied sich der Kattowitzer Stadtrat für einen Neubau im Stadtteil Załęska Hałda.

Neues GKS Stadion im Bau
Foto: Marek Mróz – Praca własna – wikimedia commons

Multifunktionale Arena

Der Stadionneubau begann im Oktober 2021. Das Projekt sah ein Stadion für 15.048 Zuschauer mit komplett überdachten, einstöckigen Tribünen vor. Diese sind ausschließlich mit Sitzplätzen ausgestattet, wobei die ersten Reihen etwas über dem Spielfeld liegen, um eine optimale Sicht zu gewährleisten. Zur Ausstattung gehören eine Rasenheizung, VIP-Logen, Plätze für Menschen mit Behinderung, Umkleidekabinen, Büros sowie Imbissstände.

Fußballnostalgiker dürften sich freuen, dass das alte Stadion erhalten bleiben soll und künftig dem Frauenteam dienen wird

Eine Besonderheit der neuen Katowicer Arena ist die integrierte Sporthalle mit 3.002 Sitzplätzen. Diese kann für Basketball-, Volleyball- und Handballspiele sowie für nicht-sportliche Veranstaltungen genutzt werden. Hauptsächlich soll sie jedoch als Heimspielstätte des Volleyballteams von GKS Katowice dienen.

Der Bau des neuen Stadions dauerte etwas über drei Jahre und kostete die Stadt Kattowitz 181 Millionen PLN. Die offizielle Eröffnung fand am 31. März 2025 im Ekstraklasa-Spiel von GKS Katowice gegen Górnik Zabrze statt, das die Hausherren vor ausverkauftem Haus mit 2:1 gewannen. Das Stadion konnte auch bereits international debütieren: Am 24. Juli 2025 verlor der ukrainische Vizemeister FK Olexandrija mit 0:2 gegen Partizan Belgrad in der Qualifikation zur Conference League. Die Volleyballsektion von GKS wird ihre Premiere im neuen Zuhause jedoch erst im August 2025 feiern.

Neue Südwestecke des neuen GKS Stadions
Foto: Marek Mróz – wikimedia commons

Fazit

Nach langen Diskussionen und mehreren Projekten scheint Kattowitz eine optimale Lösung gefunden zu haben, von der möglichst viele sportbegeisterte Einwohner profitieren werden. Fußballnostalgiker dürften sich dagegen freuen, dass das alte Stadion erhalten bleiben soll und künftig dem Frauenteam dienen wird.

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