Rita Süssmuth ist gestorben – eine der wichtigsten Persönlichkeiten des deutsch-polnischen Dialogs der vergangenen Jahrzehnte, ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestages und erste Bundesministerin für Frauenangelegenheiten. Sie wurde 88 Jahre alt. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner bezeichnete sie in ihrer Todesmitteilung als „eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik Deutschland“.
Für die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland hatte Rita Süssmuth eine besondere Bedeutung. Sie wurde als „Architektin des deutsch-polnischen Dialogs“ bezeichnet und galt als eine der markantesten Vertreterinnen der sogenannten Versöhnungsgeneration – jener Politikerinnen und Politiker, die nach dem Zweiten Weltkrieg bewusst neue Beziehungen zwischen Nationen aufbauten, die durch eine tragische Geschichte belastet waren.
Prof. Dr. Rita Süssmuth. Foto: wikipediaSie wurde am 17. Februar 1937 in Wuppertal geboren. Von Beruf war sie Pädagogin und Soziologin, viele Jahre wirkte sie als Universitätsprofessorin in Bochum und Dortmund. 1981 trat sie der CDU bei, bereits vier Jahre später berief sie Bundeskanzler Helmut Kohl zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. 1986 wurde ihr Ressort um die Zuständigkeit für Frauen erweitert – sie war damit die erste Frauenministerin in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Von 1988 bis 1998 amtierte sie als Präsidentin des Deutschen Bundestages. Gerade diese Zeit erwies sich auch für ihre Rolle in den Beziehungen zu Polen als entscheidend.
Architektin des deutsch-polnischen Dialogs
Rita Süssmuth spielte in den entscheidenden Momenten der deutsch-polnischen Beziehungen nach 1989 eine zentrale Rolle. Im Juni 1990 trug sie zur Annahme einer gemeinsamen Erklärung des Deutschen Bundestages und der Volkskammer der DDR über die Anerkennung der Grenze zu Polen bei. Dieses Dokument hatte im Kontext der deutschen Wiedervereinigung eine enorme symbolische und politische Bedeutung.
Im März 1991 stattete sie Polen einen offiziellen Besuch ab. Ziel war es, die Emotionen rund um die Frage sogenannter „besonderer Rechte“ für Deutsche in Polen zu dämpfen und Missverständnisse zu verhindern, die das neu entstehende Vertrauen zwischen beiden Ländern hätten gefährden können.
2019 wurde Rita Süssmuth mit dem Preis „Goldene Brücken des Dialogs“ ausgezeichnet, verliehen vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit und der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Oppeln.
1995 widersetzte sie sich der Marginalisierung Polens anlässlich des 50. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges. Als der Präsident der Republik Polen nicht zu den offiziellen Feierlichkeiten eingeladen worden war, lud sie den damaligen Außenminister Władysław Bartoszewski ein, bei einer eigens einberufenen gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat eine Rede zu halten. Dieser Schritt hatte große politische und symbolische Bedeutung.
1998, als sich die deutsch-polnischen Beziehungen infolge der Bundestagsresolution „Die Vertriebenen, Umsiedler und deutschen Minderheiten als Brücke zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn“ deutlich abkühlten, reiste sie erneut nach Polen, um – wie es damals hieß – „Brände zu löschen“ in den bilateralen Beziehungen. Sie initiierte gemeinsame Projekte, setzte sich für Dialog und Verständigung ein und wirkte Spannungen entgegen, die in eine ernsthafte politische Krise zu münden drohten.
Auszeichnungen und Engagement
Bereits 2003 wurde Rita Süssmuth für ihre Verdienste um die Verständigung und Versöhnung zwischen Polen und Deutschen mit dem Kommandeurskreuz mit Stern des Verdienstordens der Republik Polen ausgezeichnet. Der damalige Ministerpräsident Jerzy Buzek hob dabei ihre Rolle bei den „Schlüsselereignissen“ der Beziehungen zwischen beiden Staaten hervor.
Sie gehörte zu den Initiatorinnen der Treffen polnischer und deutscher Historiker, die der Diskussion über Vertreibungen und historische Erinnerung gewidmet waren und unter anderem in Darmstadt und Frankfurt (Oder) stattfanden. In ihren Reden sprach sie von ihrer Zufriedenheit über „die Rückkehr Polens in die europäische Familie“.
Sie war langjährige Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts, Mitglied im Vorstand der Stiftung Genshagen sowie Vorsitzende des Bundeskuratoriums der Deutsch-Polnischen Gesellschaften. Zudem unterstützte sie aktiv die Idee eines Denkmals für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges in Berlin als Ausdruck deutscher historischer Verantwortung.
Für ihr Engagement erhielt sie unter anderem den Preis der Europa-Universität Viadrina (2008) für besondere Verdienste um die Annäherung zwischen Polen und Deutschen sowie den Polonicus-Preis (2018) für ihren Beitrag zum deutsch-polnischen Dialog im Kontext der europäischen Integration.
2019 wurde sie mit dem Preis „Goldene Brücken des Dialogs“ ausgezeichnet, verliehen vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit und der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Oppeln. Im Februar 2025 erhielt sie den Sonderpreis des Deutsch-Polnischen Preises für ihr Lebenswerk im Dienst der Versöhnung.
Politikerin des Mutes
In der Innenpolitik der Bundesrepublik galt sie als ihrer Zeit voraus. Sie setzte sich für die Rechte der Frauen ein, kämpfte gegen die Ausgrenzung von AIDS-Kranken und sprach sich für die Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsland aus. Nicht selten geriet sie dabei in Konflikt mit ihrer eigenen Partei. Die Medien nannten sie „Lovely Rita“ – ein Symbol für das moderne Gesicht der Christdemokratie.
Ihr Leitsatz lautete: „Einmal mehr aufstehen als hinfallen“. Bis zuletzt setzte sie sich für eine stärkere Repräsentanz von Frauen in der Politik ein.
Für die deutsch-polnischen Beziehungen bleibt Rita Süssmuth eine der wichtigsten Persönlichkeiten des letzten Vierteljahrhunderts – eine Politikerin, die in Krisenzeiten auf Dialog statt Konfrontation setzte und konsequent Brücken zwischen Polen und Deutschen baute.
Anna Durecka

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