Teil 7: Königshütte
Eine Artikelserie über oberschlesische Stadien kann ohne das Schlesische Stadion nicht vollständig sein. Denn der Hexenkessel von Königshütte ist mehr als eine Leichtathletik- und Fußballarena. Er ist vor allem Zeuge vieler großer sportlicher und musikalischer Momente.
Bau und Modernisierungen
Noch vor dem Zweiten Weltkrieg plante die Stadt Kattowitz den Bau eines großen Stadions, wobei das Berliner Olympiastadion als Vorbild diente. Diese Idee wurde nach dem Krieg beim Bau des Woiwodschaftsparks in Königshütte aufgegriffen. Dieser sollte nicht nur ein Naherholungsgebiet sein, sondern auch ein breites Freizeitangebot bieten. Nachdem das Gebiet von den Bergehalden befreit worden war, begann der Bau im Juli 1951. Der Entwurf des Architekten und Fußballschiedsrichters Julian Brzuchowski sah ein ovales Stadion mit Laufbahn vor. Die Tribünen wurden dabei auf einem aufgeschütteten Erdwall errichtet. Mit einer Kapazität von 87.000 Plätzen war das Schlesische Stadion nach seiner Fertigstellung im Sommer 1956 die größte Sportarena Polens.
Stadion Śląski wewnątrzFoto: Martin Wycisk
Über die Jahrzehnte gab es mehrere Modernisierungen, darunter den Umbau der Leichtathletikbahn in eine Speedwaybahn im Jahr 1971 sowie die Entfernung aller Stehplätze Mitte der 1990er Jahre. Durch die letzte Maßnahme sank die Kapazität auf 47.000 Plätze. Der bedeutendste Umbau sollte das Stadion fit für die Fußball-EM 2012 machen. 2009 begann die Modernisierung, doch Probleme bei der Dachkonstruktion verzögerten die Fertigstellung bis 2017. Dank des Umbaus finden nun 55.000 Fans Platz.
Ein oberschlesisches Fußballmekka
Als modernstes und größtes Stadion des Landes wurde Königshütte Zeuge zahlreicher bedeutender Fußballspiele. Nach dem Eröffnungsspiel gegen die DDR am 22. Juli 1956 (0:2) konnte Polen im ersten regulären Spiel die UdSSR mit 2:1 besiegen. Die entscheidenden Tore erzielte der legendäre Ruch-Chorzów-Stürmer Gerard Cieślik. Ebenfalls gewann Polen hier sein einziges Spiel gegen England (2:1 im Jahr 1973). Aus Deutschland gastierte hier noch zweimal die DDR-Auswahl sowie 1981 die DFB-Elf, die mit 0:2 gegen Polen verlor. Dass die Arena als inoffizielles Nationalstadion galt, lag auch daran, dass sich Polens Nationalmannschaft hier viermal die Teilnahme an Weltmeisterschaften (1973, 1985, 2001 und 2022) sowie einmal an einer Europameisterschaft (2008) sichern konnte.
Noch vor dem Zweiten Weltkrieg plante die Stadt Kattowitz den Bau eines großen Stadions, wobei das Berliner Olympiastadion als Vorbild diente. Diese Idee wurde nach dem Krieg beim Bau des Woiwodschaftsparks in Königshütte aufgegriffen.
Das Schlesische Stadion hat zwar keinen eigenen Verein, zog aber als Austragungsort des oberschlesischen Derbys zwischen Ruch Chorzów und Górnik Zabrze sowie bei Spielen in europäischen Wettbewerben regelmäßig große Zuschauermengen an. Besonders Górnik konnte sich hier mit den Giganten seiner Zeit messen, unter anderem mit Siegen 1961 (4:2 gegen Tottenham Hotspur) oder 1968 (1:0 gegen Manchester United). Für internationale Begegnungen nutzten auch Polonia Bytom (u.a. 1962 1:0 gegen Galatasaray Istanbul), GKS Katowice (1970 0:1 gegen den FC Barcelona) oder Ruch Chorzów (u.a. 2000 0:3 gegen Inter Mailand) den Hexenkessel. Aus Deutschland stammte dabei nur ein Gegner: 1981 verlor Górnik mit 1:2 gegen den FC Bayern München. Aktuell tragen Ruch Chorzów und gelegentlich auch Polens Nationalmannschaft ihre Heimspiele hier aus.
Legendäre Bands im Stadionrund
Seit den frühen 1990er Jahren ist das Schlesische Stadion ein beliebter Veranstaltungsort für Konzerte. Dank der Erdwalltribünen bietet es hierfür eine gute Akustik. Die musikalische Karriere des Hexenkessels begann am 13. August 1991, als im Rahmen des Konzerts „Monsters of Rock“ unter anderem die legendären Metalbands AC/DC und Metallica auftraten. Fans aus nah und fern konnten hier später die Rolling Stones (1998), U2 (2005) oder Andrea Bocelli (2023) erleben. Aus Deutschland spielte zwischen 2019 und 2023 die Band Rammstein insgesamt dreimal für ihre polnischen Fans.
Zukunft des Stadions
Das Schlesische Stadion befindet sich im Besitz der Woiwodschaft, was unter anderem durch die in oberschlesischen Farben Gelb und Blau gehaltene Innengestaltung erkennbar ist. Für die Region stellt die Arena jedoch eine finanzielle Belastung dar. Wie die Presse berichtet, unter anderem das Sportportal weszlo.com, verursacht das Stadion jährliche Kosten von rund 100 Millionen PLN. Als Fußballstadion ist es aufgrund der Laufbahn sowie moderner Arenen in anderen polnischen Städten unattraktiv. Leichtathletikwettbewerbe, Konzerte und andere Veranstaltungen generieren nicht genügend Einnahmen. Wahrscheinlich war es ein Fehler, das Stadion für die Europameisterschaft 2012 zu modernisieren, statt einen Neubau zu errichten. Wie die Woiwodschaft dieses Dilemma lösen will, ist offen.
Stadion Śląski z zewnątrzFoto: Martin Wycisk
Eine Chance könnte eine erneute Ausrichtung der Fußball-Europameisterschaft in Polen sein. Medienspekulationen zufolge könnte Polen diese inzwischen eigenständig ausrichten, wobei Spiele im Hexenkessel sowie im neuen Górnik-Stadion in Zabrze stattfinden könnten. Ein Sommermärchen in Oberschlesien im Jahr 2036 würde die Fans sicherlich freuen. Und sollte dann die DFB-Elf unter Nationaltrainer Miroslav Klose gegen das von Łukasz Piszczek trainierte Polen antreten, wäre der Hexenkessel bestimmt wieder ausverkauft.
Weitere Artikel der Serie:
Neue Arenen, alte Traditionen: Teil 6: Tichau
Neue Arenen, alte Traditionen: Teil 5 Königshütte
Neue Arenen, alte Traditionen: Teil 4: Kattowitz
Neue Arenen, alte Traditionen: Teil 3: Gleiwitz
Neue Arenen, alte Traditionen: Teil 2: Beuthen
Neue Arenen, alte Traditionen: Teil 1: Hindenburg








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